Symphonische Tänze

Tänzerische Elemente und Bayerns Berge – Ein Abend der Extraklasse mit Winfridia und den Vogtland Philharmonikern

Mit einem ungewöhnlichen Programm begeisterte der Städtische Konzertchor Winfridia das Publikum im Schlosstheater. Unter dem zunächst etwas irritierenden Titel „Symphonische Tänze“ boten die Sängerinnen und Sänger gemeinsam mit den Vogtland Philharmonikern einen unterhaltsamen musikalischen Abend der Extraklasse.

Längst hat Carsten Rupp sich mit seiner Winfridia von der Pflege des traditionellen Repertoires verabschiedet und geht unbeirrt neue Wege in Sachen
Programmdramaturgie. Und das erfolgreich, wie die Zuhörerresonanz im Schlosstheater eindrucksvoll bewies. Der Schwerpunkt des Abends liegt bei auch Musikliebhabern nicht allzu geläufigen Werken für Chor und Orchester, gesungen in vier Sprachen, während die instrumentalen Teile das Publikum in den Wonnen des Wiedererkennens schwelgen lassen.

Mit dem Hinweis im vorzüglich gestalteten Programmheft, dass viele Komponisten Tänze geschrieben oder zumindest tänzerische Elemente in ihre  Werke aufgenommen hätten, erklärt der Veranstalter das Konzertmotto des Abends, der mit Antonin Dvoraks Slawischem Tanz Op. 46,1 eröffnet wird, wobei die Vogtländer Philharmoniker noch nicht überzeugen können.

Das gilt auch für den gastgebenden Chor, als er mit der Pavane op. 50 von Gabriel Faure eher zurückhaltend die ersten vokalen Akzente in einem geschickt gemischten, abwechslungsreichen Programm setzt. Von Frankreich geht es später nach England zu Edward Elgar (der Komponist des kultigen „Pomp und Circumstance“), der auf dieser musikalischen Reise quer durch  Europa mit seinem Liederzyklus „From the Bavarian Highlands“ vertreten ist. Als Liebhaber der bayrischen Bergwelt hat er reizvolle Annäherungen an  ein angenommenes bayrisch-musikalisches Lebensgefühl geschaffen. Natürlich wird hierbei auch getanzt und nicht nur auf der Alm, nennt man doch die von Gattin C. Alice Elgar im Stil bayerischer Volksliedtexte verfassten Adaptionen: „Words from Bavarian Volkslieder and Schnadahupfler“.

Um Musik im Dreivierteltakt geht es bei den berühmten, zumeist recht kurzen Liebesliederwalzern, von denen Johannes Brahms als Opus 52 und 65 gleich zwei Zyklen geschaffen hat. Hier wird, bei verkleinertem Orchester, von dem an diesem Abend alle Aufgaben exzellent bewältigenden Chor eine zehnteilige Auswahl mit zumeist gewaltigem Tempo vorgelegt. Und das besonders bei „Nein, es ist nicht auszukommen mit den Leuten, alles wissen sie so giftig auszudeuten“. Das Publikum war hier aber mit Sicherheit nicht gemeint, denn das reagierte immer wieder mit gediegenem, zum Schluss  aber mit jubelndem Beifall. Verständlich, da Chor und Orchester bei den „Borodiner Tänzen“ aus der Oper „Fürst Igor“ von Alexander Borodin ein  klangprächtiges Finale schaffen „mit rhythmisch- stampfenden Tanzpassagen“ (Programmheft) und einem mächtig auftrumpfenden Chor. Von dem leidenschaftlich agierenden Dirigenten befeuert, lässt der Chor vergessen, dass nicht ein slawisches Ensemble mit mächtigen Naturstimmen im Schlosstheater gastiert, sondern die brillanten Nicht-Profis von Winfridia.

Es war ein guter Einfall, mit Instrumentalmusik den Choristen Pausen zu ermöglichen und gleichzeitig den Vogtländer Philharmonikern Gelegenheit zu geben, ihre hohe Orchesterkultur zu demonstrieren. Das gilt für die Carmen-Suite Nr.1 (nach Bizets Oper) ebenso wie für eine Auswahl aus den Peer-Gynt-Suiten von Edvard Grieg. Musik, die geschickt Zäsuren schuf  und für die Zuhörer entspannend war, um innerlich mitzusingen, und das nicht nur bei Solveigs Lied, das hier der Frauenchor, natürlich in norwegischer Originalsprache sang. Schade, dass bei diesem ungewöhnlichen Kulturprogramm mit einem heimischen Chor doch etliche Plätze in Fuldas Musentempel leer geblieben waren…

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Städtischer Konzertchor Winfridia Fulda|Langenbieberer Str. 11|36145 Hofbieber|Telefon: 06657 / 9143638