Pressebericht zur Italienischen Operngala

Pressebericht zur Italienischen Operngala

Brillante „Italienische Operngala“ mit dem Städtischen Konzertchor Winfridia

Pressebericht der Fuldaer Zeitung vom 30. Oktober 2011
von Christoph A. Brandner

Die Ovationen des enthusiasmierten Publikums sind angemessener Lohn für einen außergewöhnlichen Abend:
Mit einer „Italienischen Operngala“ hat der Städtische Konzertchor Winfridia Fulda am Freitag im Festsaal der Orangerie begeistert.

Das kulturelle Ereignis im voll besetzten Haus kann man durchaus einen „Sechser im Lotto“ nennen, obwohl hier nicht der Zufall Regie geführt hat. Der Vergleich gründet auf dem glücklichen Zusammentreffen von sechs Personen und Gruppen: Den uneingeschränkten Erfolg teilen sich ein bestens präparierter Chor, ein engagiertes Orchester, eine Solistin und ein Solist von internationalem Format, ein originell-kluger Moderator und ein mitreißender Dirigent.

Wobei wir bei Carsten Rupp sind, der den mit Leidenschaft und Disziplin singenden Städtischen Konzertchor Winfridia zu Spitzenleistungen befeuert. Man denke beispielsweise an den stimmungsvoll-blühenden Eingangschor von Mascagnis „Cavalleria Rusticana“ oder an den jubelnden Triumphmarsch aus „Aida“, der für das Ensemble zum Triumph gedeiht. Rupp ist Bariton und Dirigent zugleich, also ein Sänger-Dirigent und damit ein Glücksfall. Er präsentiert sein erstes selbst zusammengestelltes, anspruchsvoll-abwechslungsreiches Programm aus der wundersamen Welt des Musiktheaters. Die erste italienische Operngala beschert dem Chor eine heftige, bravourös gemeisterte Herausforderung: Zum einen wird in der Originalsprache gesungen, zum anderen müssen höchst unterschiedliche Charaktere vokal gestaltet werden.

Die Winfridia bewährt sich gleichermaßen als Mascagnis wackere Landleute, als Hochzeitsgäste in Donizettis „Lucia di Lammermoor“, als wirbelnde Komödianten in Leoncavallos „Bajazzo“; der Damenchor brilliert als fauchende Hexen und gemeinsam mit dem Herrenchor als verängstigte schottische Flüchtlinge in Verdis „Macbeth“ und als quirlige Zigeunerinnen in „La Traviata“, in der die Herren als mutige Stierkämpfer reüssieren. Außerdem gestaltet der Chor gemeinsam mit den beiden Solisten komplette Szenen, in denen die Erzgebirgische Philharmonie Aue eine zuverlässiger Partnerin ist. Das Ensemble musiziert geschmeidig, robust, aber auch filigran, wie etwa die ätherischen Harmonien des Todes im Vorspiel zu Verdis „La Traviata“.

 

Am Ende stehende Ovationen

Die Glanzlichter der außergewöhnlichen Gala setzen die Fuldaer Sopranistin Christina Rümann und der Tenor Keith Ikaia-Purdy. Ebenso wie im März in Dortmund wird Christina Rümann auch in ihrer Heimatstadt nach der Wahnsinnsarie aus „Lucia di Lammermoor“ sowie Szene und Arie der Violetta aus „La Traviata“ frenetisch gefeiert. In Fulda dürften diese beiden äußerst schwierigen Arien bislang kaum so beeindruckend interpretiert worden sein. Als Lucia gelingt Christina Rümann die bewegende Seelenschilderung einer Frau, die im Wahn das Glück erlebt, das ihr das Leben geraubt hat. Und Violetta taumelt vokal beglückend zwischen Liebessehnsucht und betäubender Lebenslust. Zu Gebote stehen der Sopranistin ein sinnliches Piano, ein erlesenes Legato, ein wunderschönes Timbre, eine kraftvolle, schier grenzenlose Höhe, die sie mit perfekten, ja sensationellen Spitzentönen krönt, und eine perfekte Technik, die vertrackteste Koloraturen spielerisch leicht erscheinen lässt. Dazu gesellen sich Flexibilität und ein blitzsauber fokussierter Ton. Die Rollencharaktere gestaltet Christina Rümann mit berührender Emotionalität.

Emotionen pur vermittelt auch Keith Ikaia-Purdy, seit mehr als zwei Jahrzehnten auf wichtigen Bühnen der Welt wohlgelitten und „eine der leuchtendsten Sterne am Tenorhimmel“, wie die Tageszeitung „Die Welt“ keineswegs übertreibt. Das stimmliche Kraftpaket hat neben der Kavatine Lord Bucklaws („Lucia di Lammermoor“), die anspruchsvolle Totenklage des MacDuff („Macbeth“) und zwei Canio-Arien („Bajazzo“) ausgewählt, um seine Qualitäten ausspielen zu können. Mit seinem dramatischen Stratosphären-Tenor, dem man durchaus auch lyrische Qualitäten bestätigen kann, mit offenbar unendlicher Kraft, mit explosiver Leuchtkraft und stählernem Glanz öffnet Ikaia-Purdy Canios zerrissenes Herz.

Ein Quell hintersinniger Heiterkeit ist Moderator Christof Rath, der pointiert und witzig-maliziös durch das Programm geleitet. Applausstürme loben und befeuern die Mitwirkenden. Nach den Zugaben, dem obligaten „Brindisi“ aus „La Traviata“ und dem gefühlsmächtigen Gefangenenchor aus „Nabucco“ will der orkanartige Beifall nicht enden. Die stehenden Ovationen bekräftigen die Sehnsucht nach einer zweiten „Italienischen Operngala“ mit der Winfridia.

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Städtischer Konzertchor Winfridia Fulda|Langenbieberer Str. 11|36145 Hofbieber|Telefon: 06657 / 9143638