Pressebericht zum Konzert „Geschwister Mendelssohn – Lobgesang und Hiob“

Pressebericht zum Konzert „Geschwister Mendelssohn – Lobgesang und Hiob“

Ein mitreißendes Musikerlebnis 

Pressebericht der Fuldaer Zeitung vom 8. Oktober 2012
von Wolfgang Hohmann
Foto: Sabine Abel

Konzertchor Winfridia im Schlosstheater mit hoch ambitioniertem Programm

Vor der Pause Mendesssohn, und nach der Pause auch. Im Schlosstheater brachte der Städtische Konzertchor Winfridia nicht nur die bekannte Sinfonie-Kantate „Lobgesang“ op. 52 von Felix Mendeslssohn-Bartholdy zu Gehör, sondern mit Werken seiner Schwester Fanny Hensel auch musikalische Raritäten.

„Fanny Cecile Hensel (…) war eine ausgezeichnete Pianistin und als Komponistin sehr begabt“, so heißt es in dürftigen drei Zeilen in einem füfbändigen Lexikon, in dem Alfred Baumgartner dem Werk des Bruders Felix mehr als 1000 Zeilen widmet. Vor diesem Hintergrund (in vielen Nachschlagewerken existiert Fanny gar nicht) war es mutig und lobenswert, dass der Fuldaer Chor mit seinem Leiter Carsten Rupp drei der auf rund 450 geschätzten Kompositionen der Felix-Schwester ins Programm nahm. Aus einem Gesamtwerk, das kaum öffentlich wurde, weil Emanzipation im Musikbetrieb des 19. Jahrhunderts noch ein Fremdwort war.

Mit der Erzgebirgsphilharmonie Aue stand für das hoch ambitionierte Programm ein in Fulda bereits bestens ausgewiesener sinfonischer Klangkörper zur Verfügung. Da auch das Solisten-Terzett keine Wünsche offen ließ, bekamen die an diesem Abend viel beschäftigten Damen und Herren der Winfridia optimale instrumentale und solistische Assistenz, um sich sängerisch voll und natürlich mit Wohllaut zu entfalten. Und das taten sie!

Eröffnet wurde der Abend mit der Ouvertüre in C-Dur, dem einzigen rein instrumentalen Werk von Fanny Hensel, eine Art Jubelouvertüre mit burleskem, vergnüglichem Grundton, bestens geeignet das Talent der Komponistin zu erkennen und gleichzeitig auch die Qualität des Gastorchesters. In die Antike führte die dramatische Szene für eine Singstimme und Orchester, bei der Natasche Jung (Sopran) mit schöner Stimme und großer Expression ausleuchtete, was Fanny H. bis zum Liebestod einer jungen Frau in beeindruckenden Stimmungsbildern gestaltet hat.

Bei der sich anschließenden „Hiob“-Kantate trat zum Altsolo (für das Tatjana Conrad ihren Mezzosopran einsetzte) erstmals der rund 80-köpfige Chor hinzu. Der aber muss beim Hauptwerk des Programms zunächst pausieren, weil Felix M. das Gotteslob „Alles, was Odem hat, preiset den Herrn“ den Eröffnungsposaunen und dem Orchester in drei Sätzen quasi als instrumentales Glaubensbekenntnis anvertraut hat.

In prächtigen, machtvollen Chorsätzen und in Rezitativen, Arien und Duetten wird, gestützt auf Texte der Bibel, eine theologische Aussage in Musik gesetzt: Der Triumph des Lichts über die Finsternis. Die weicht nach dem aufschreienden, fast dissonanten „Ist die Nach bald hin?“ (großartig hier und überhaupt: Patrick Henkens), und das gewaltige Kantaten-Finale entwickelt sich in strahledem Forte.

Befeuert von Carsten Rupp am Pult, wurde ein groß dimensioniertes, Formen sprengendes Opus zu einem mitreißenden Musikerlebnis, wofür ihm und besonders dem einheimischen Spitzenchor mit herzlichem Beifall gedankt wurde.

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Städtischer Konzertchor Winfridia Fulda|Langenbieberer Str. 11|36145 Hofbieber|Telefon: 06657 / 9143638