Pressebericht zum Konzert der „Schöpfung“

Pressebericht zum Konzert der „Schöpfung“

Pressebericht der Fuldaer Zeitung vom 19. April 2005

von Wolfgang Hohmann:

FULDA  Was Alfred Baumgartner einst „als Meisterwerk, das zu den bedeutendsten der gesamten Musikgeschichte gehört“, bezeichnet hat, wurde in der Aufführung durch den Städtischen Konzertchor unter Chordirektor Reinhold Feldmann gemeinsam mit dem Göttinger Symphonieorchester und drei formidablen Solisten zum Ereignis. Mit einem sechs Minuten währenden Beifall dankten die begeisterten und ergriffenen Zuhörer im Schlosstheater nach zweieinhalb Stunden für eine Begegnung mit Joseph Haydns Oratorium „Die Schöpfung“, die Vergleiche mit so mancher Einspielung nicht zu scheuen brauchte.

Das Kompliment ist zu allererst dem zahlenmäßig großen und stimmlich untadeligen Chor geschuldet, der, von seinem Dirigenten temperamentvoll und mit Leidenschaft gefordert, die zahlreichen fugierten Lobpreischöre an die Adresse des Schöpfers in klangprächtigen, machtvollen musikalischen Aufgipfelungen erstrahlen lässt. Natürlich gelingt es den Sängern auch, im Wechselspiel mit den Solisten die nötige Zurückhaltung aufzubringen.

Doch zunächst herrscht das Chaos, was hier heißt, die musikalische Schilderung des Zustandes, als „die Erde ohne Form und leer war“. Da wird die genial in Noten gesetzte Unordnung mit ihren unaufgelösten Dissonanzen vom Dirigenten mit dem Orchester, an dem zunächst besonders die Streicher gefallen, sehr langsam, ein wenig unentschlossen angegangen, bevor sich die Göttinger der so einzigartigen musikalischen Naturmalereien einfühlsam annehmen und die Solisten ebenso begleiten bei deren Aufgabe, in der Rolle von Erzengeln über die einzelnen Schöpfungsakte in Rezitativen zu informieren und deren Bedeutung in Arien zu kommentieren. Das gelingt von dem renommierten Sängerterzett am besten, der mit einem makellosen Sopran ausgestatteten Friederike Holzhausen, die sowohl dem Gabriel als auch später bei den idealtypischen Paradies- und Eheidyllen der Eva ihre Gesangskunst zur Verfügung stellt, die sie sehr treffend bewertet, als sie selbst von dem „reizenden Gesang“ singt.

Dem im Programmheft als Bariton ausgewiesenen Peter Schüler in der eingentlich für Bass gedachten Rolle des Raphael gelingt es in fast opernhaftem Zugriff, seine Rolle ausdrucksvoll zu gestalten, wobei er mit sängerischer Intelligenz die tiefen Töne passabel abklingen lässt, Tiefe, die er später für den Adam nicht benötigt. Marcus Ullmann, der mit seinem leicht ansprechenden lyrischen Tenor als Uriel zunächst nicht überzeugt, kann sich enorm steigern. Ein großartiges Werk in ebensolcher Deutung.

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Städtischer Konzertchor Winfridia Fulda|An den Eichen 6|36041 Fulda-Gläserzell|