Pressebericht zum Konzert der Johannespassion von Johann Sebastian Bach

Pressebericht zum Konzert der Johannespassion von Johann Sebastian Bach

Pressebericht der Fuldaer Zeitung vom 5. April 2007

von Andreas Ungermann
(Foto:Ralph Leupolt)

FULDA  Weltweit wird in diesem Jahr die Passion Christi nach Lukas gelesen, vielerorts mit verteilten Rollen. Andächtiger und beeindruckender, fast schon gottesdienstgleich, ist die gesungene Leidensgeschichte. Der städtische Konzertchor Winfridia führte unter Leitung von Direktor Reinhold Feldmann die Johannespassion von Johann-Sebastian Bach auf.

In der ausverkauften Fuldaer Elisabethkirche begeisterten die Sänger gemeinsam mit dem Göttinger Symphonieorchester ihr Publikum mit einer einfühlsamen Interpretation des über zweistündigen Werkes. In einem herrlichen Zusammenspiel ergänzten Chor und Orchester die schon meditativ vorgetragenen Soloparts, so dass die intensive Dramatik in Text und Melodie nachhaltig auf die Zuhörer wirkte.

Als rezitierender Evangelist brillierte Marcus Ullmann. Seine Rolle hatte der Tenor vollkommen verinnerlicht und füllte sie stimmlich hervorragend aus. Bisweilen ging er so darin auf, dass es dem Zuhörer erschien, als trage der Tenor selbst die Dornenkrone. In den Rezitativen überzeugte er ebenso wie in den eingestreuten, gebetsartigen Arien.

Im Bass glänzte Peter Schüler in den Arien und als Jesus mit seiner stimmlichen Strahlkraft. Im Wechselspiel mit ihm ergänzte Pilatus Daniel Schreiner (Bass) wunderbar die Spannung in den Prozessszenen zwischen Christus und dem römischen Statthalter. In weiteren Rollen überzeugte Stefan Euler als reuiger Petrus und Maximilian Traut das Publikum.

In den weiblichen Stimmlagen begeisterten Cornelia Sander (Alt) sowie Irina Borodyanska (Sopran). Unterlegt von sanften Oboen- und Fagottklängen, die durch ihren Kontrast die Solistinnen herrlich zur Geltung kommen ließen, konnten die beiden Sängerinnen in ihren Arien ihre Stimme frei entfalten. Insgesamt gab das Symphonieorchester mit einem einfühlsamen Streichteppich und behutsamen Cembalo- und Lautenspiel dem menschlichen Klangkörper die Möglichkeit, die Passion Christi gesanglich eindrucksvoll vorzutragen.

So zogen die Musiker den einmaligen Spannungsbogen von der Verhaftung über die Verurteilung und die Kreuzigung Jesu bis hin zum triumphalen, preisenden und die Erlösung kündenden Schlusschoral auf. Die Soloparts wurden von der Winfridia als jüdisches Volk hervorragend ergänzt. Meditativen Charakter hatten die vertonten Gebete und die eingestreuten Choräle nach Variationen bekannter Melodien aus dem Gotteslob wie „O Haupt voll Blut und Wunden“.

Noch intensiver wirkte das musikalische Werk bei der Betrachtung der schlichten Kreuzwegbilder in der Kirche, an denen der Zuhörer auch bildlich das Geschehen verfolgen konnte. Wie nachhaltig und eindrucksvoll das Stück vorgetragen wurde, zeigte die bedächtige Stille vor dem lang anhaltenden Applaus des Publikums, dass der großartigen Leistung der Musiker auch mit stehenden Ovationen tiefen Respekt zollte.

Sorry, comments are closed for this post.

Städtischer Konzertchor Winfridia Fulda|An den Eichen 6|36041 Fulda-Gläserzell|