Pressebericht zu Haydns „Schöpfung“

Pressebericht zu Haydns „Schöpfung“

Haydn und das Paradies

Pressebericht der Fuldaer Zeitung vom 11. März 2013

von Wolfgang Hohmann
Foto: Ralph Leupolt

Winfridia gelingt überragende Aufführung der „Schöpfung“

Mit sechsminütigem Applaus dankten die Zuhörer im voll besetzten Festsaal der Orangerie dem Städtischen Konzertchor Winfridia, den drei Solisten, der Thüringen Philharmonie Gotha und nicht zuletzt dem Dirigenten Carsten Rupp für eine begeisternde Aufführung von Joseph Haydns Oratorium „Die Schöpfung“.

Das von Haydn nach biblischen und literarischen Quellen in Musik gesetzte Werk von der Erschaffung von Himmel und Erde ist nach Alfred Baumgartner „ein Meisterwerk, das zu den bedeutendsten der gesamten Musikgeschichte gehört. Für die Qualität der Komposition ist es dabei unerheblich, dass Haydn vor gut 200 Jahren wohl noch nichts wusste von Urknall und Evolution, sondern mit Genialität und Inspiration in Noten setzte, was als biblischer Schöpfungsbericht auch heute von Vielen noch immer als historisch angesehen wird. Der Beliebtheit des Werks tut es auch keinen Abbruch, dass die so gefühlvoll auskomponierte Paar-Idylle mit Adam und Eva Utopie und/oder Wunschvorstellung ist und nicht den heutigen Vorstellungen von gelingender Partnerschaft entspricht.

Schon mit Haydns Lebenswirklichkeit hatten ja die idealisierenden „Anhimmelungen“ nichts zu tun, wird doch Haydns Ehefrau als „Ausbund an Unliebenswürdigkeit“ (Hans Joachim Moser) beschrieben. Vorbehalte solcher Art wichen, als der Dirigent mit dem Orchester einstieg in das Chaos mit der oft dissonanten musikalischen Schilderung des Zustandes, als „die Erde ohne Form und leer war“.

Von da an entführte Carsten Rupp mit großen Gesten und viel Leidenschaft sowohl die Mitwirkenden als auch die Musikfreunde in die schöne „alte Welt“. Großartig singt der gastgebende, bestens geschulte und instruierte Chor die vielen, oft fugierten Lobpreischöre an die Adresse des Schöpfers in klangprächtigen, machtvollen Aufgipfelungen bis hin zum strahlenden Fortissimo. Natürlich gelingt den Sängerinnen und Sängern im Wechselspiel mit den Solisten auch ein zurückhaltendes, gepflegtes Piano-Singen.

Immer überzeugend gelingen dem Orchester aus Gotha die so einzigartigen musikalischen Naturmalereien, diese instrumentalen Wetter- und Tierportraits auf dem Weg zum angestrebten Endzustand der Schöpfung. „Doch war noch alles nicht vollbracht, dem Ganzen fehlte das Geschöpf“, singt Raphael, einer der Engel, der ebenso wie Uriel und Gabriel in Rezitativen und Arien den Schöpfungsprozess begleitet hat.

Vom ersten Ton an lässt Jens Hamman als Raphael mit virilem, voluminösem, warmem Bariton aufhorchen, ein Sänger, der technisch überzeugt und die Töne beseelen kann. Das gilt auch für Christina Rümann als Gabriel, der als Koloratursopran auch die lyrischen Passagen gelingen. Beide entführen im dritten Teil – als Adam und Eva mit unübersehbarer, ein wenig augenzwinkernder Distanz zum gesungenen Text ins (Ehe-)Paradies…

Jud Perry hatte mit seinem eher kleinen Tenor zunächst Mühe gegen Chor und Orchester als Solist zu bestehen, konnte aber noch eine durchaus respektable Abendleistung erreichen im Rahmen einer insgesamt überragenden Aufführung.

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Städtischer Konzertchor Winfridia Fulda|An den Eichen 6|36041 Fulda-Gläserzell|