Pressebericht zu Brahms Chorwerken und Mahler Kindertotenlieder

Pressebericht zu Brahms Chorwerken und Mahler Kindertotenlieder

Konzertchor Winfridia mit neuen Klangqualitäten

Pressebericht der Fuldaer Zeitung vom 6. März 2012
von Nikolaus Frey

Eindrucksvolle Aufführung sinfonischer Chorwerke von Brahms und Mahler

Wer bei der Veranstaltung des Konzertchors Winfridia am Samstag Frühlingsklänge erwartet hatte, erlebte zunächst eine Enttäuschung, denn bei den großen sinfonischen Chorwerken von Brahms und Mahler ging es um Gedanken der Trauer und des Verlustes.

Dass aber auch ein konsequent ernstes Programm, das der neue Winfridia-Dirigent Carsten Rupp sich, den Mitwirkenden und seinen Zuhörern im voll besetzten Schlosstheater zumutete, einen ganzen Abend lang faszinieren kann, wurde zur großen Überraschung. Sie ist möglich geworden durch das klare Gestaltungskonzept des Chorleiters, durch eine bis ins Detail präzise sängerische Ausarbeitung, durch ein aufmerksam agierendes Orchester und vor allem durch die warme Ausdruckskraft der Vokalsolistin Tatjana Conrad.

Zum Auftakt erklang die „Tragische Ouvertüre“ von Brahms, deren harmoisch karges, rhythmisch kantig geschliffenes Hauptthema zum Leitgedanken des Abends wurde. Da war kaum einmal Gelegenheit für die Mitglieder der Erzgebirgischen Philharmonie Aue, runden Orchesterwohlklang zu entfalten, denn die archaische Wirkung von Brahms‘ strenger Kompositionsweise fixierte die Aufmerksamkeit ganz auf die großen formalen Abschnitte. Und hier gelang dem Dirigenten mit dem Orchester eine fein ausgestaltete Überleitung in den Schlussteil dieser Ouvertüre: so transparent in der Schubkraft der Motive und so konsequent in der allmählichen Veräderung des Tempos, dass sich der Sinn der Musik an dieser Stelle nochmals quasi „im Rücklick“ erschloss.

Die 5 Gedichte, die Gustav Mahler aus Friedrich Rückerts Zyklus „Kindertotenlieder“ zur Vertonung ausgewählt hat, zählen zu den intimsten Beispielen seines lyrischen Schaffens. Und die Altistin Tatjana Conrad, die den heiklen Solopart sang, tat gut daran, sich zunächst mit verhaltener Expressivität in die schmerzvolle Welt dieser Trauerlieder zu versenken und ihren Reichtum an Klangfarben nur behutsam einzusetzten.
Das Orchester tat es ähnlich, indem es, von kammermusikalischen Dimensionen ausgehend, die dramatische Spannung sehr kontrolliert steigerte, um dann in einem verklärten Schluss zu enden. Carsten Rupp gebührt das Verdienst, den Solo- und Orchesterpart jederzeit in guter Balance gehalten zu haben.

Wie Trauer sich nicht nur auf den Verlust eines Menschen beziehen kann, sondern auch auf „das Vollkommene, das stirbt“, war Thema in „Nänie“, in der Brahms auf Worte von Schiller beklagt, dass „auch das Schöne sterben muss“. Die Winfridia gab dieser Klage durch den kontrastreichen Wechsel der drei großen Formteile Ausdruck und baute durch ihren intensiv deklamierten Vortrag eine Spannung von archaischer Kraft auf. Noch stärker waren diese Effekte in Brahms‘ „Schicksalslied“ nach Worten von Friedrich Hölderlin. Es klang eindrucksvoll, wie Carsten Rupp den Gegensatz der menschlichen Welt gegenüber der Sphäre der Himmlischen gestaltete und wie plastisch die Kaskaden „von Klippe zu Klippe“ eine elementare Wirkung erzielten.

In der „Alt-Rhapsodie“ hat Brahms drei Strophen eines Goethe-Gedichts verarbeitet, was oft als Spiegel seiner Alterseinsamkeit gedeutet worden ist. Die Solistin gab dieser Stimmung vielfach beredten Ausdruck, der Männerchor und das inspiriert agierende Orchester spendeten Trost und verstärkten ihn in wiederholten Ansätzen. Das war ein bedeutender Konzertabend, bei dem die Winfridia-Chorgemeinschaft einige neue Qualitäten erkennen ließ.

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