Hintergrundinformation zu Ahmed Adnan Sayguns Yunus Emre-Oratorium

Ahmed Adnan Saygun gilt als einer der bedeutendsten türkischen Komponisten des 20. Jahrhunderts. Sein Werk wird insbesondere für die Synthese der musikalischen Ideale mit der Volkskultur anerkannt. In einem Nachruf würdigt ihn die London Times als „den großen alten Mann der türkischen Musik“, der für sein Land das war, was Sibelius für Finnland, de Falla in Spanien und Bartók in Ungarn bedeuten. Er gilt als der maßgebliche Begründer einer gleichermaßen den elegant-westlichen Musikidealen wie der traditionellen türkischen Volkskultur verpflichteten Musik.

Geboren am 7. September 1907, erlebt Saygun als junger Mann radikale Veränderungen in der Politik und Kultur seines Landes. In den 1920er Jahren ersetzt Mustafa Kemal Atatürk das 600 Jahre alte Osmanische Reich durch eine säkulare Republik nach westlichen Vorbildern und Traditionen. Seine Bemühungen um eine neue kulturelle Identität u.a. durch die Verbindung der türkischen Volkskultur mit der westlichen Musik spielten eine grundlegende Rolle bei der Entwicklung der musikalischen Sprache Sayguns.

Saygun verbrachte seine Kindheit in Izmir (Smyrna). Hier erlebte er ebenso häufig Konzerte der osmanischen Militärkapellen wie auch Aufführungen westlicher Werke durch Kammermusikensembles. Er begann seine musikalische Ausbildung mit dem Studium der Oud und des Klaviers und begann im Alter von vierzehn Jahren mit der Komposition überwiegend kurzer Märsche und Polkas. Mit einem Stipendium des türkischen Staates studierte er ab 1928 bei dem französischen Komponisten Vincent d‘Indy und dem Theoretiker Eugène Borrel an der Schola Cantorum in Paris. Hier lernte er die Musik der Spätromantik und des französischen Impressionismus kennen und erhielt Unterricht in „Kontrapunkt“ und „Motivischer Entwicklung“.

1931 kehrte er als Mitglied der Fakultät der Musiklehrerbildungsanstalt in Ankara in die Türkei zurück. Er leitete das Presidential Orchestra im Jahre 1934 und zog dann nach Istanbul, um ab 1936 am Städtischen Konservatorium zu unterrichten. Im selben Jahr besuchte der ungarische Komponist Béla Bartók die Türkei und beide sammelten und transkribierten gemeinsam Volkslieder aus Anatolien und Osmaniye.

Sein Oratorium „Yunus Emre“ wurde 1946 in Paris uraufgeführt und sowohl in türkischer als auch englischer, französischer und deutscher Sprache veröffentlicht. In Deutschland wurde es bislang eher selten aufgeführt. 2008 erklang es in der Alten Oper Frankfurt zur Eröffnung der Buchmesse, deren Schwerpunktland in diesem Jahr die Türkei war.

Der Sufi Yunus Emre hatte mit seiner Poesie großen Einfluss auf verschiedene Strömungen in Gedankenwelt des 14. Jahrhunderts im Nahen Osten: auf den Sufismus, den türkischen Humanismus und den Alevitischen Glauben. Ihm geht es um den Glauben an Gott und die Liebe zu den Menschen. Sein religiös geprägtes philosophisches Gedankengut, überschwänglich und von großer Klarheit, erinnert an die deutschen Mystiker und Mystikerinnen des Mittelalters.

Städtischer Konzertchor Winfridia Fulda|Langenbieberer Str. 11|36145 Hofbieber|Telefon: 06657 / 9143638